Twitter unterschätzt? (Iran Berichterstattung)

Durch den Verbot der Berichterstattung ausländischer Medien im Iran erhält Twitter eine bisher ungeahnte Bedeutung. Bisher wurde der Microblogging Dienst aus dem journalistischen Umfeld eher belächelt. Doch durch die gegebenen Umstände bedienen sich die etablierten Medien zurzeit an Twitter als zentrales Informationsmedium…

Bisher habe auch ich Twitter im journalistischen Bereich immer eher belächelt. Für mich stellt Twitter eher ein Unterhaltungsmedium dar und ein wichtiges Medium zum Austausch von Information und Nachrichten in Form von Links. Die aktuellen Geschehnisse im Iran zeigen aber dass Twitter auch eine ernstzunehmende journalistische Quelle sein kann.

Twitter hat im Fall der Iran-Berichterstattung den traditionellen Medien zeitlich einiges voraus. Zu Beginn der Ausschreitungen wurde vor allem CNN scharf kritisiert, da man in den Hauptnachrichten nicht darüber Berichtet hat  (der Hash-Tag #CNNfail war 1 Tag lang unter den Twitter Trending Topics). Nach massiver Kritik bezog CNN Stellung zu den Vorwürfen zu langsam gehandelt zu haben. Am darauffolgenden Tag verwendete CNN nicht nur die Berichterstattung der Korrespondenten vor Ort, sondern kommunizierte auch direkt mit Twitter Usern, die sich vor Ort aufhielten. CNN bekennt sich öffentlich zur Miteinbeziehung von Twitter in die Iran-Berichterstattung

Als die iranische Regierung dann die Berichterstattung ausländischer Medien verbot wurde Twitter zur zentralen Informationsquelle für die meisten ausländischen Medien. Die traditionellen Medien, wie auch der ORF, verwenden Twitter als Ergänzung zu den herkömmlichen Informationsquellen.

Man kann Twitter natürlich auch dazu nützen um selbst zu Informationen direkt vor Ort zu gelangen. Seit Beginn der Ausschreitungen verfolge ich ein paar Twitterer aus Teheran. Dabei erhält man einen völlig anderen Zugang zu den Vorgängen. Die Postings der User sind teilweise sehr bedrückend, voller Verzweiflung, Trauer und Wut. Man sieht Dinge, die man im Fernsehen nicht zu Gesicht bekommt (VORSICHT: sehr schockierend). Die User posten Bilder von Verletzten und auch von Toten, Videos wo Menschen gewaltsam von der Polizei zusammengeschlagen werden und sogar Videos in denen auf Menschen geschossen wird. Dies sind Eindrücke, die einem die traditionellen Medien nicht geben können, dürfen und auch nicht sollen.

Die Berichterstattung rund um den Iran in Twitter offenbart jedoch auch eine wesentliche Schwäche von Twitter: Schon jetzt wurden Twitterer, vermeintlich aus den Iran, als Fake-User enttarnt. Man kann nicht nachprüfen ob die geposteten Inhalte, Bilder und Videos auch wirklich direkt aus dem Iran stammen.

~ von rikkox - 18. Juni 2009.

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