Houellebecq: Elementarteilchen

Im Jahr 1999 war Elementarteilchen, der zweite Roman des französischen Autors Michel Houellebecq, ein regelrechter Skandal. Das schonungslosen Porträt einer beziehungsunfähigen und sexsüchtigen Gesellschaft spaltete die Kritiker. Inzwischen sind “Skandalromane” mit anschaulich beschriebenen Sexszenen regelrecht an der Tagesordnung. Denkt man zb an unsere deutschen Nachbarn: Roche (Feuchtgebiete) und Strunk (Fleckenteufel) verkaufen mit ihren debilen Ausführungen über Intimhygiene problemlos tausende Bücher. Houellebecq spielt jedoch in einer ganz anderen literarischen Liga, weshalb ich an dieser Stelle sein bekanntestes Werk vorstellen möchte:

Michel Houellebecq, Elementarteilchen (Les Particules Élémentaires), 1998

Inhalt

Die beiden Halbbrüder Michel und Bruno könnten wohl kaum verschiedener sein. Michel ist Molekularbiologe, pflegt kaum Kontakte und lebt sehr in sich zurück gezogen. Bruno dagegen verbringt die meiste Zeit damit, seinen sexuellen Phantasien nachzuhängen. Die Mutter der beiden, eine Anhängerin der 68er-Ideale, brachte diese beiden Kinder von verschiedenen Vätern zu Welt und kümmerte sich schon bald nicht mehr um sie. So wuchsen die beiden getrennt voneinander bei verschiedenen Verwandten auf, lange, ohne überhaupt voneinander zu wissen. Erst in der späten Jugend bekommen sie Kontakt, den sie von da an unregelmäßig aufrecht erhalten.

Worum es wirklich geht

Eine sehr gute Buchbesprechung zu “Elementarteilchen” habe ich auf der Seite von Dieter Wunderlich gefunden:

In seinem beklemmenden Roman “Elementarteilchen” veranschaulicht Michel Houellebecq am Beispiel der Figur Bruno das Scheitern der Bewegung von 1968, die zwar ein Ende der von der Gesellschaft erzwungenen Unterdrückung des Sexualtriebs bewirkte, aber keine Freiheit brachte, sondern dazu führte, dass Männer und Frauen sich regelrecht gezwungen fühlten, die Sexualität auszuleben.  Damit greift Houellebecq einen Gedanken aus seinem Roman “Ausweitung der Kampfzone” auf: Wer auf diesem Markt der Sexualität gegenüber der Konkurrenz zu kurz kommt, rutscht in der sozialen Rangordnung nach unten. Verbittert beobachten die Erfolglosen die anderen, die scheinbar ein leidenschaftliches, abwechslungsreiches Sexualleben führen, in Wirklichkeit aber auch nur ihre innere Leere und ihren Selbstekel vergessen wollen. Die aus den Familienbeziehungen wie Elementarteilchen aus Atomen und Molekülen gesprengten Individuen versuchen verzweifelt, sich mit anderen Elementarteilchen zu vereinen.

Film

Das Buch wurde zudem im Jahr 2006 mit einem großen Repertoire von bekannten deutschen Schauspielern von Oskar Röhler verfilmt. Die Verfilmung ist nicht schlecht, kann aber mit dem Roman nicht mithalten.

~ von rikkox - 16. Juni 2009.

4 Antworten to “Houellebecq: Elementarteilchen”

  1. Dieses Buch habe ich in der HAK einmal lesen “müssen”. Ist aber wirklich nicht schlecht!

    • da hattets aber einen deutschlehrer mit geschmack ;) hast den film auch gesehen? die haben den wahnsinnigen schluss leider entschärft…

  2. die feuchtgebiete wurden aber nicht von kuttner geschrieben sondern von charlotte roche

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